Herausforderung 3: Preisdruck durch Wettbewerbsbündelung
Das Phänomen: Wenn viele Konkurrenten ebenfalls auf dieselben wenigen Ausschreibungen fokussiert sind, steigt der Wettbewerbsdruck exponentiell.
Warum der Preisdruck in Peak-Phasen besonders hoch ist?
1. Konzentration der Wettbewerber: In normalen Zeiten verteilen sich Bieter auf verschiedene Ausschreibungen. In Peak-Phasen konzentrieren sich alle auf die wenigen verfügbaren Aufträge.
Beispiel:
Normale Phase: 5 Ausschreibungen/Monat, jeweils 4-6 Bieter
Peak-Phase: 15 Ausschreibungen/Monat, jeweils 8-12 Bieter
Die absolute Zahl der Bieter steigt nicht – aber ihre Konzentration auf wenige Aufträge erhöht den Wettbewerb drastisch.
2. Verzweiflung bei Nicht‒Gewinnern: Unternehmen, die in den Vormonaten leer ausgegangen sind, bieten in der Peak-Phase besonders aggressiv, da sie dringend Aufträge brauchen.
3. Strategische Preissenkungen: Manche Unternehmen akzeptieren bewusst geringere Margen, um in Peak-Phasen Marktanteile zu sichern, in dem Wissen, dass danach eine ruhigere Phase folgt.
Herausforderung 4: Personalbindung in der Zwickmühle
Während laufende Verträge zuverlässig erfüllt werden müssen, laufen parallel neue Ausschreibungen und Angebotskalkulationen. Personalressourcen sind dadurch doppelt gebunden. Selbst erfahrene Teams stoßen in dieser Phase schnell an ihre Belastungsgrenzen.
Das Unternehmen kann den Betrieb nicht verlangsamen. Jede Nachlässigkeit bei Bestandskunden gefährdet nicht nur bestehende Verträge, sondern auch die Chancen bei Neuausschreibungen.
Operative Ebene
Das Tagesgeschäft lässt keinen Aufschub zu. Schulen, Verwaltungsgebäude und andere Objekte müssen täglich in vereinbarter Qualität gereinigt werden. Hinzu kommen Urlaubszeiten im Herbst und krankheitsbedingte Ausfälle. Was im Normalbetrieb kompensierbar ist, wird in Peak-Phasen schnell kritisch.
Dispositive Ebene
Besonders stark belastet sind Betriebsleiter und Objektverantwortliche. Sie sichern die laufenden Verträge, koordinieren Personal, führen Qualitätskontrollen durch und stehen im Kundenkontakt. Gleichzeitig nehmen sie an Objektbesichtigungen für neue Ausschreibungen teil. Qualitätskontrollen müssen weiterlaufen. Beschwerden entstehen sofort, wenn Probleme nicht rechtzeitig erkannt werden. Parallel dazu erfordert die Einarbeitung neuer Mitarbeiter zusätzliche Zeit. Ohne frühzeitige Schulung fehlt im Zuschlagsfall einsatzbereites Personal.
Kalkulationsebene
Auch die Kalkulation steht unter Doppelbelastung. Neue Angebote entscheiden über die Zukunft des Unternehmens. Gleichzeitig müssen Nachträge, Sonderleistungen und Preisanpassungen für Bestandskunden zeitnah bearbeitet werden. Diese Aufgaben lassen sich nicht auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.
Die Belastung in Zahlen
Ein typischer Betriebsleiter betreut Bestandskunden mit rund 40 Stunden pro Woche. In Peak-Phasen kommen etwa 15 Stunden für Objektbesichtigungen und weitere fünf Stunden für Abstimmungen mit der Kalkulation hinzu. Das ergibt rund 60 Stunden pro Woche. Diese Überlastung besteht über sechs bis acht Wochen. Praktisch bedeutet das zwölf Arbeitstage pro Tag über fast zwei Monate.
Langfristige Folgen für Unternehmen
Die Folgen sind erheblich. Das Burnout-Risiko bei Schlüsselpersonen steigt deutlich. Warnsignale wie Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme werden oft ignoriert. Gleichzeitig sinkt die Servicequalität bei Bestandskunden. Mängel werden später erkannt, Beschwerden nehmen zu. Im schlimmsten Fall drohen Vertragsverluste.
Unter Zeitdruck steigt auch die Fehlerquote in Angeboten. Kalkulationsfehler oder formale Mängel führen zu Ausschlüssen oder unwirtschaftlichen Preisen. Zusätzlich leidet die Motivation im Team. Überstunden und Wochenendarbeit werden zur Dauerbelastung. Nach der Peak-Phase steigt die Fluktuation. Erfahrene Mitarbeiter verlassen das Unternehmen, genau jene, die zuvor die Hauptlast getragen haben.
Diese Abwärtsspirale lässt sich nur vermeiden, wenn Vergabe-Peaks als planbare Phase verstanden werden.